Ortsgeschichte
Viehhausen blickt auf eine faszinierende Vergangenheit zurück. Über 850 Jahre Entwicklung – von mittelalterlichen Burgen über das barocke Schloss bis zur modernen Gemeinde von heute. Die Geschichte des Ortes ist eng verflochten mit der Geschichte der Region.
Erste Erwähnung
Die erste urkundliche Erwähnung Viehausens findet sich um 1180 in den Unterlagen des Klosters St. Emmeram in Regensburg. Der Ort wird als Siedlung mit zwei befestigten Kernen genannt: Oberviehhausen und Niederviehhausen. Beide waren strategisch günstig gelegen zwischen Regensburg und der Donau in der Gegend der Fränkischen Alb.
Ritterfamilien prägten das mittelalterliche Leben. Pruno von Viehhausen, Rüdiger und Heinrich von Viehhausen erscheinen als Zeugen in Urkunden. Adelsfamilien wie die Chamerauer, Wolfsteiner und später die Reisacher errichteten Burgen in Ober- und Niederviehhausen. Diese Burgen dienten zum Schutz und waren Verwaltungszentren für die umliegenden Ländereien.
Kriegszeit und Zerstörung
Der Dreißigjährige Krieg brachte Verwüstung in die Region. Beide Burgen Viehausens wurden zerstört und die Bevölkerung dezimiert. Niederviehhausen wurde nicht wieder aufgebaut. Der Bergfried ist heute noch sichtbar und erinnert an diese Zeit.
Barocker Wiederaufbau
Nach Jahrzehnten der Zerstörung kam der Wiederaufbau. 1681 ließ Franz Wilhelm Rosenbusch das Schloss Oberviehhausen im Barockstil neu errichten. Nach einer Feuersbrunst wurde das Schloss in den Jahren 1697 bis 1700 erneut aufgebaut und erhielt seine endgültige barocke Form, die noch heute zu bewundern ist.
Säkularisation und Besitzerwechsel
Nach dem Aussterben der Rosenbuschlinie 1777 ging die Hofmark Viehhausen als Erbgut an Franz von Lerchenfeld-Brennberg über. Im Zuge der Säkularisation um 1800 wurden die bayerischen Gemeinden neu organisiert. Viehhausen war bis 1879 dem Landgericht Kelheim zugeordnet. Die Besitzer wechselten häufig: Graf Karl von Lösch, später Friedrich Pustet (1848), dem auch die Papierindustrie im Labertal gehörte.
Mit Pustet kam wirtschaftlicher Aufschwung. Die Ludwigszeche wurde um 1848 gegründet. Im Raum Schneckenbach und Reichenstetten begannen Untertageabbau und Kohleförderung für die Papierherstellung.
Eisenbahn und Industrialisierung
1875 ging eine Bahnlinie zwischen Sinzing und Alling in Betrieb und band Viehhausen an die modernen Verkehrswege an. Die Brauerei Stadler, deren Tradition bis in die Zeit der Rosenbusch zurückreicht, stellte 1914 ihren Betrieb ein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam großer Wandel. In Alling entstand ein Flüchtlingslager, die nahe Papierfabrik bot Arbeitsplätze. 1948 wurde eine eigene Schule mit 2 Klassen eingerichtet. 1952 weihte Erzbischof Michael Buchberger das neue Schulhaus ein.
Die Ludwigszeche erwies sich nach 1959 als unrentabel und wurde aufgegeben. Das Allinger Bockerl stellte 1967 die Personenbeförderung ein. Eine neue Bahnbuslinie zwischen Regensburg und Viehhausen erschloss den Ort verkehrstechnisch neu.
Vereinsleben und Gemeindeleben
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung entstand reges Vereinsleben. Der Obst- und Gartenbauverein wurde 1949 gegründet. Der Fußballverein FC Viehhausen nahm 1958 den Spielbetrieb auf. Die Blaskapelle Viehhausen folgte 1969. Später kamen Sportabteilungen hinzu: Stockschützen (1982), Tennis (1997), Karate (1998), Boule (2000).
Kirchliche Gruppen prägten das Leben. 1968 wurde der Familienkreis gegründet. 1976 richtete die Kirchenverwaltung das erste Bürgerfest aus, eine Tradition, die bis heute anhält.
Gemeindefusion
Ein wichtiges Ereignis: 1972 vereinigten sich die Gemeinden Sinzing, Viehhausen, Eilsbrunn und Bergmatting-Reichenstetten zur Großgemeinde Sinzing. Damit änderte sich die politische Struktur. Die Gemeinde erließ 1972 die Verordnung zur Einführung von Straßennamen.
Moderne Entwicklung
In den 1990ern folgte technischer Fortschritt. 1988/89 wurde die Kanalisation zu Ende geführt. 1995 nahm das Biomasse-Heizkraftwerk Betrieb auf. 1996 entstand die Schulturnhalle. 2001 folgte eine Fotovoltaikanlage auf dem Klosterstadldach.
Das 21. Jahrhundert brachte erneutes Wachstum. Der FC Viehhausen feierte 2018 sein 60-jähriges Bestehen mit Aufstieg in die Bezirksliga. Moderne Baugebiete entstanden: Klosterblick (ab 2018), weitere Gebiete folgen. 2019 begann der Bau eines Gewerbegebietes nördlich des Feuerwehrgebäudes. Ein Radweg zwischen Viehhausen und Alling wurde umgesetzt
Viehhausen ist heute ein Ortsteil mit Tradition und modernem Wachstum. Das barocke Schloss erinnert an vergangene Zeiten. Die Pfarrkirche St. Leonhard steht als Zeugnis der Glaubensgemeinschaft. Der Ort lebt zwischen Landwirtschaft, Gewerbe und modernem Wohnen.
Quellen:
Gustl Motyka „Sinzing – Von den Hofmarken und Edelsitzen zur Großgemeinde“, Rudolf Ottlinger „Sinzing – von den Anfängen bis zur Gegenwart“, Aufzeichnungen der Ortschronik Viehhausen, Pfarrchronik Viehhausen
