Kloster & Klarissenfriedhof
Das Schloss wird zum Kloster
Das Schloss Oberviehhausen, 1681 von Franz Wilhelm Rosenbusch barockbarock neu erbaut, erlebte 1852 einen großen Wandel.
Der Orden der Klarissinnen kaufte das Schloss und nutzte es fortan als Kloster.
Die Schwestern gründeten eine Mädchenschule, die für Jahrzehnte zum Leben des Ortes gehörte. Die Klarissinnen, ein strenger Franziskanerorden, widmeten sich dem Unterricht und der Schulbildung. Sie unterrichteten Mädchen aus Viehhausen und der näheren Umgebung. Das klösterliche Leben war geprägt von Gebet, Arbeit und Gemeinschaft. Die Schwestern führten nicht nur die Schule, sondern betrieben auch wirtschaftliche Aktivitäten. Der bekannte Magenbitter wurde in den Klostermauern hergestellt und verkauft. Sie bauten Obst und Gemüse an und gaben landwirtschaftliche Erzeugnisse an die Öffentlichkeit ab.<
Wandel der Nutzung
1952 gab der Orden die Mädchenschule auf. Der Grund war die veränderte Schulstruktur und neue Anforderungen des bayerischen Schulsystems. Statt Unterricht betrieben die Klarissinnen ab 1952 ein Altenheim im Schloss. Etwa 20 Jahre lang versorgten die Schwestern ältere Menschen mit Pflege, Unterkunft und Mahlzeiten. Diese Arbeit war für die Gemeinde wertvoll und notwendig.
1975 endete die Zeit der Klarissinnen. Der Orden zog aus Viehhausen fort. Das Kloster wurde vorübergehend neu belegt: Der Marianische Orden der Serviten übernahm das Gebäude. Pater Wolfgang Riser und später andere Patres übernahmen die Seelsorgeaufgaben in der Pfarrei. Die Serviten blieben bis 1989.
Nach dem Wegzug der Serviten diente das Kloster als Pfarrhaus. 2024 wurde das Kloster von der Pfarrei an die Gemeinde Sinzing verkauft.
Der Schwesternfriedhof
Am 4. Oktober 1856 wurde der Friedhof im Klostergarten feierlich eingeweiht. Hochgeistlicher Sebastian Röhrl vollzog die Zeremonie. Die damalige Ordensoberin war Schwester Antonia Späth, die für den Aufbau der Friedhofsanlage verantwortlich war. Sie wurde später auch selbst dort beerdigt (Sterbetag: 20. Juni 1880).
Der Friedhof diente der Ordensgemeinschaft als letzte Ruhestätte. Nach den verfügbaren Kenntnissen fanden dort etwa 60 Laien- und Klosterschwestern bis zur Auflösung des Klosters 1975 ihre letzte Ruhestätte. Einige Schwestern wurden später umgebettet in den Klosterfriedhof Dingolfing, besonders Schwestern, die nach 1975 starben.
Die letzte aktive Oberin der Klarissenschwestern in Viehhausen war Seraphika Ringelstetter. Sie beendete 1970 ihren Schuldienst an der Volksschule, erlebte den Wegzug des Ordens 1975 mit und verstarb am 21. Juni 1986 im Kloster Dingolfing.
Gedenkfeier und Pflege heute
Zur Erinnerung an das nahezu 125-jährige religiöse und soziale Wirken der Ordensschwestern veranstaltet die Pfarrei Viehhausen jährlich zum Todestag der Heiligen Klara (11. August) eine kleine Gedenkfeier auf diesem Friedhof.
Bei dieser Feier werden auch die Grabkreuze gesegnet. Die Gedenkfeier würdigt die Vielfalt der Tätigkeiten des Ordens, damit diese nicht in Vergessenheit geraten.
Der Obst- und Gartenbauverein Viehhausen pflegt und betreut die Anlage heute. Der ortsansässige Schreiner Sepp Bauer bearbeitete und restaurierte eine Vielzahl von Grabkreuzen in diesem historisch wertvollen Friedhof.
Beim jährlichen Pfarr- und Bürgerfest wird der Friedhof mit Rosen geschmückt und von vielen Interessenten besucht.
Quellen: Ortsheimatpfleger Alois Renner, eig. Archiv A. Renner, Material von Max Jobst, MZ, Dieter Waeber, Pfarrchronik Viehhausen





