Die Kirche St. Leodegar in Bergmatting ist eine kleine, aber sehenswerte Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert und heute Filialkirche der Pfarrei Viehhausen. Sie prägt das Leben in Bergmatting, Ortsteil von Sinzing im Landkreis Regensburg.
Lage und Kurzprofil
Die Kirche steht zentral im Dorf Bergmatting, Gemeinde Sinzing.
Patron: Heiliger Leodegar (Leodegarius).
Baujahr: Um 14. Jahrhundert, romanisch mit gotischen und barocken Ergänzungen.
Besonderheit: Asymmetrisches Kirchenschiff mit nur einem Seitenaltar; nördlich gotischer Turm mit vier quadratischen Geschossen und Sakristei.
An der Südseite fällt eine alte, heute selten genutzte Kanzel auf.
Innenraum und Ausstattung
Hochaltar: Rokokostil, hölzerne Nachbildung mit Herz-Jesu-Darstellung auf rotem Grund; enthält Reliquien der Märtyrer Urbanus und Faustonius (Urkunden aus Rom, 1772). Darunter vier Heiligenfiguren: Hl. Nikolaus (mit Kugeln), Hl. Wolfgang, Hl. Sebastian und Hl. Leodegar (zwei größere, zwei kleinere). Früher stand hier ein Flügelaltar (Notiz des Sinzinger Pfarrers Erb, 19. Jh.).
Seitenaltar: Barock, zeigt Marienfigur im Strahlenkranz (ca. 14./15. Jh.); oben Figuren von Hl. Nikolaus, Hl. Wolfgang und Hl. Josef mit Lilie.
Kirchenpatron
Der Heilige Leodegar (Leodegarius) ist der Kirchenpatron von Bergmatting. Er ist in unserer Region weniger bekannt, wird jedoch häufig im badischen Raum, in der Schweiz und vor allem in Frankreich verehrt.
Ab dem Jahr 659 n. Chr. wirkte Leodegar als Bischof in seiner französischen Heimat Autun und setzte sich dort besonders für die innere Erneuerung des Klosterlebens sowie seiner Diözese ein. Im Jahr 679 erlitt er einen Märtyrertod in der Auseinandersetzung mit dem fränkischen Hausmeier: Zuerst folterte man ihn, raubte ihm das Augenlicht und enthauptete ihn schließlich.
Leodegar wird oft mit einem Bohrer, einem Stachel, einem Schwert oder einem Kreuz dargestellt, da diese Symbole seinen Martyrium versinnbildlichen. Aufgrund verschiedener Wunder an dem Geblendeten und an seinem Grab sprach die Kirche ihn bereits im Mittelalter heilig. Seine Gebeine befinden sich heute in Poitiers und zum Teil auch in Ebreuil bei Clermont-Ferrand in Westfrankreich. Wie Bergmatting ausgerechnet zu diesem Heiligen als Patron kam, ist historisch nicht belegt.
Baugeschichte und Entwicklung
Die Kirche entstand um das 14. Jahrhundert als romanische Dorfkirche. Der Turm ist gotisch; barocke und rokoko-Elemente prägen die Altäre. In einer Bistumsmatrikel von 1665 wird sie als „Capella S. Stephani zu Bergmättig, altare unum“ unter Nittendorf erwähnt.
Sie überstand Reformation und Säkularisation und dient bis heute als Ort des Gebets.
Historische Meilensteine
- Mittelalter: Zählte zur Herrschaft Pflegeamt Laaber.
- Um 1500: Eingliederung ins protestantische Fürstentum Pfalz-Neuburg; Zwangskonversion, Plünderungen, Bergmatting als lutherische Filialkirche von Nittendorf.
- Ca. 1650: Rekatholisierung; Rückgabe ans Kloster Prüfening.
- Nach 1803: Seelsorge durch Pfarrer Sinzing (nach Säkularisation).
- 1947: Zuordnung zur Pfarrkuratie Viehhausen (damals Eilsbrunn).
- 1972: Politisch zu Sinzing und Landkreis Regensburg.
- Heute: Filialkirche der Pfarrei Viehhausen (selbstständig seit 1979).
Aktuelles Leben
Die Bergmattinger pflegen die Kirche mit Rosenkranzgebeten und Gottesdiensten; Termine im Pfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft Sinzing–Viehhausen–Eilsbrunn. Beerdigungen finden auf dem nahen Friedhof Bergmatting statt, organisiert durch das Pfarramt Viehhausen.
