Fahrten der Frauengemeinschaft

Dresden 2007

Als Ziel hatte sich die Frauengemeinschaft unserer Pfarrei heuer die Region Dresden ausgesucht. Was wir 50 Teilnehmer da erlebten, wird uns noch längere Zeit im Gedächtnis haften bleiben.

Dresden ist eine der kunsthistorisch bedeutsamsten Städte Deutschlands bzw. Europas. Was aus den Ruinen nach der Zerstörung 1945 inzwischen wieder errichtet wurde, verdient Hochachtung und Anerkennung. Allerdings darf man dabei den hohen finanziellen Aufwand nicht übersehen. Die einzigartige Barockanlage des Zwingers, die spätbarocke Kathedrale – bekannt unter dem Begriff Hofkirche – , die weltberühmte Semperoper und als Highlight die erst vor 2 Jahren fertiggestellte Frauenkirche mit der prächtigen Sandsteinkuppel standen im Mittelpunkt unseres Stadtbesuches. Die bestellten Führungen brachten uns die nötigen Details nahe und regten zum Nachdenken, aber auch zum Staunen an, so z.Bsp. über den auf 25.000 Meißner Porzellankacheln aufgemalten Fürstenzug an der Schlossmauer.

Wir konnten jedoch beim Durchfahren der Stadtrandbezirke auch manches entdecken, was noch immer die Schatten der Vergangenheit aufzeigt: ruinöse Bauten, heruntergekommene Läden mit uralten Emblemen und Inschriften, lieblos erstellte Wohnsilos, primitive und monumentale Plattenbauten der Nachkriegszeit. Da wurde uns klar, dass vor allem im privaten Bereich noch viel zu tun ist. Offenbar verbindet man mit dem Begriff Dresden immer nur das kunsthistorische, touristische Moment und übersieht die eigentlichen menschlichen Probleme.

Ein weiteres eindrucksvolles Erlebnis war unser Besuch in der Porzellanmanufaktur Meißen, wo wir hautnah das Entstehen von Tellern, Tassen und Vasen mitverfolgen konnten. Trotz des hohen Standes der Technisierung sind dort besondere künstlerische und handwerkliche Fertigkeiten gefragt.

Den letzten Tag verbrachten wir flussaufwärts im Elbsandsteingebirge, erklommen mittels eines Aufzugs die Festung Königstein und kletterten über Schwindel erregende Stege durch das Felsengewirr der Bastei. Als Abschluss besichtigen wir dann noch einige der prachtvoll angelegten Gärten im Renaissancedenkmal Schloss Pillnitz. In besonderer Weise blieb uns dabei die 200 Jahre alte, über 8 m hohe japanische Kamelie im Gedächtnis, die im Winter mit einem sündhaft teuren eigenen Stahl-Glas-Haus überdacht wird.

Dass bei so einer Reise natürlich Lachen und Frohsinn nicht zu kurz kommen, versteht sich von selbst. Auch die Unterbringung im feudalen Waldhotel von Weinböhla trug wesentlich zu einer heiteren und lockeren Atmosphäre bei.

Unser Dank gilt der gelungenen Fahrtplanung von Evi und Ulli und der praktischen Umsetzung durch das Busunternehmen Meier.

Die Reise war ein einmaliges Erlebnis, das viel zu viele Informationen in viel zu kurzer Zeit brachte. Man muss Dresden unbedingt näher kennen lernen und wenn möglich mit einer Aufführung in der Semperoper verbinden.

Verfasst von Peter Beckmann

Berlin 2009

LUST AUF MEHR

Die Dreitagesfahrt der Frauengemeinschaft nach Berlin wurde für die rund 40 Teilnehmer zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Für die lange Busfahrt wurden wir durch die originale Begegnung mit geschichtsträchtigen Bauwerken und Ereignissen aus jüngster deutscher Geschichte reichlich entschädigt: Brandenburger Tor, Holocaust-Mahnmal, Hotel Adlon, Potsdamer Platz, Sonycenter, Checkpoint Charly, Reichstag und und und…..Wir konnten per Bus an der alten Zuschauertribüne der legendären Avus entlangfahren, den Funkturm und die Berliner Siegessäule bewundern und entdeckten auch, wo unsere Kanzlerin ihren privaten Haushalt hat. An die berüchtigte Mauer erinnerte nur mehr ein Pflasterstreifen quer durch die Stadt.

Der zweite Tag war voll ausgefüllt mit einem Abstecher in den gurken- und kürbisreichen Spreewald bei Lübbenau. Dort wartete eine romantische Kahnfahrt in kühler, reichlich bewaldeter Landschaft auf uns. Die Skipper mit ihren großen Staken verstanden es meisterlich, uns mit ihren Kenntnissen über das Volkstum dort, aber auch mit manch heiterer Anekdote zu unterhalten. Leider schafften wir aus Zeitgründen abends den Zutritt zum Reichs- bzw. Bundestag nicht mehr. Dafür erlebten wir eine weitere Rundreise durchs abendliche Berlin vorbei am Kanzleramt, durchs Regierungsviertel, über den sensationellen neuen Hauptbahnhof hin zum Vergnügungsviertel Oranienburger Straße mit dem Friedrichsstadtpalast, zum Alexanderplatz, vorbei am roten Rathaus und über Berliner Dom und Gendarmenmarkt zum Nobelhotel zurück.

Am Sonntag schließlich stand eine fast vierstündige Schiffstour auf den Wasserwegen durch und um Berlin herum auf dem Programm. Für viele von uns ein sehr überraschendes Erlebnis! Denn wer denkt schon, dass in einer so sehr von Bauwut befallenen Metropole eine regelrechte Rundreise per Schiff möglich wäre. Diese Fahrt auf einem großen Motorschiff eröffnete uns bei recht kühlem Wind phantastische neue Ein- und Ausblicke in die Gebäudevielfalt des Regierungsviertels, der Museumsinsel und in die Sehenswürdigkeiten entlang der Spree und des Landwehrkanals. Dabei unterquerten wir sage und schreibe 67 Brücken, von denen manche so niedrig konzipiert waren, dass sogar die Kapitänskabine herunter gefahren werden musste.

Einer der Höhepunkte war der gemeinsame Gottesdienst in der St.-Johannes-Basilika der poln. Gemeinde in Berlin. Hier durften wir zum letzten Mal eine hl. Messe mit unserem bisherigen Pfarrer Josef W. und mit Anita V. feiern und mitgestalten, wodurch doch deutliche Wehmut aufkam. „Leben heißt Veränderung, that`s life“, sagte jemand.

Dennoch war die Reise von einer tollen Stimmung der Beteiligten getragen, wozu auch die perfekte Organisation, die Unterbringung in einem First-Class-Hotel und der einzigartige Bordservice im Bus der Firma Bäuml beitrugen. Außerdem hatten wir einen sehr beschlagenen, mit einer „ähr“-Sprachbesonderheit ausgestatteten Stadtführer namens Olaf 2 Tage als „ähr“-Dauergast bei uns. Er verstand es mit geschichtlichem und politischem Insiderwissen zu glänzen und wusste praktisch alles über Berlin und Umland, konnte aber mit „Viehhausen“ rein gar nichts anfangen. Zu unserer großen Freude taten sich dann doch 2 Wissenslücken auf: Er fand das ackteckige „ähr-Cafe“ nicht mehr und war ratlos, als es darum ging, den „ähr“-Bus irgendwo in „ähr“-Berlin zu parken. Als dann aus unserer Mitte „air“-Tempelhof vorgeschlagen wurde, war er schier sprachlos und unser Gelächter riesengroß. Dies mag als schlagkräftiges Indiz für die grundlegend heitere, ausgelassene Atmosphäre und Stimmung unter den Businsassen gelten.

…und zu feiern gabs auch immer was: z.B. Mama Voitls Geburtstag mit Sekt, der xx. Verbandelungstag von Ulli und Manfred mit Kaffee und Kuchen – super Bewirtung aus der Bordküche Lobsing!

Zum Abschluss sei eine Frage erlaubt: Was lernen wir aus dem Erlebten?
*** Berlin ist zu Recht unsere Bundeshauptstadt. Allerdings: Man kann diese Stadt mit ihren 3,4 Mio Einwohnern und einer Ausdehnung von 38 x 45 km nicht in 3 Tagen und nicht in 3 Wochen kennenlernen. Das bedeutet Lust auf Mehr!
*** Die Frauengemeinschaft versteht es blendend, tolle Fahrten zu planen, zu organisieren und durchzuführen. Großer Dank an Anni S., Evi D. und Ulli R.! Wo gibts so viele schöne Erlebnisse in einer solchen Gesellschaft zu diesem Preis sonst noch? Lust auf Mehr !
*** Bei den Reisen der Frauengemeinschaft sind auch viele Nichtmitglieder dabei und sogar auch Nichtfrauen! Die Mischung machts – Lust auf Mehr!

Verfasst von Peter Beckmann

Hamburg 2010

Bei de Fischköpp 2010

Heuer hatte die Frauengemeinschaft als Ziel Hamburg – das Tor zur weiten Welt – ausgewählt. Hin- und Rückreise im bequemen Reisebus der Firma Bäuml führten uns an die 1600 km quer durch die Republik. Am letzten Tag verweilten wir für einige Stunden sogar noch in der liebenswerten Messestadt Leipzig. Auf der gesamten Fahrt tangierten wir insgesamt 8 unserer 16 Bundesländer; denn die Schiffsbegrüßungsanlage Wedel- Schulau liegt ja bereits auf dem Boden von Schleswig-Holstein.

Hamburg – eine laute Stadt, voll des bunten Lebens und Treibens, eine Stadt der Industrie und riesiger Hafenanlagen, ständig dominiert durch die Wechsel des Elbwassers, aber auch eine Stadt feinsinniger Elemente. Wir entdeckten stille, historisch gewachsene Winkel, konnten musikalische Zentren hautnah erleben und durchstreiften ruhige, heimelige, lebenswerte Wohngegenden. Selbst-redend, dass wir per Bus auch das berüchtigte St. Pauli zu Gesicht bekamen, mitsamt der bekannten Davidswache.

Bei der Hafenrundfahrt durch die unzähligen Seitenkanäle und Hafenbecken konnten wir riesige Containerschiffe, Kreuzfahrtjachten, ein U-Boot und als Besonderheit die in Reparatur liegende MS-Deutschland, das Traumschiff, in einem Schwimmdock liegend, entdecken. Ein Blick von der Köhlbrandbrücke eröffnete uns aus der Vogelperspektive die mächtige Weite der Hafenanlagen. Wasser von unten und von oben gab es beim Übersetzen über die Norderelbe zum Metropol-Musiktheater auf der Insel, wo der „König der Löwen“ bereits seit 8 Jahren allabendlich auf-geführt wird und mit seiner sehenswerten Inszenierung noch immer die Massen anzieht. Eine andere Gruppe von uns besuchte im Operettenhaus an der Reeperbahn das Musical „Ich war noch niemals in New York“ und war ebenso begeistert vom musikalischen Genuss.

Besonders nachhaltig waren unsere Eindrücke jedoch von den jahrhundertealten, eng stehenden Gebäuden in der Deichgasse, die ständig der Bedrohung durch Elbwasserfluten ausgesetzt sind und deren Bausubstanz bereits deutliche Schäden aufweist. Im Laufe der Geschichte waren dort mehrfach größere Flächenbrände ausgebrochen, die ganze Stadtviertel vernichteten. Straßennamen wie „Brandanfang“ und „Brandsende“ erinnern noch heute daran. In krassem Gegensatz dazu erlebten wir die malerischen Wohngegenden in und um Blankenese, fast südländisch angelegte kleine Gärten, Häuser mit Reet gedeckt, durch enge Trep-pengänge verbunden, eng und doch behaglich und wohnlich.

Zum Lagern riesiger Warenbestände, die per Schiff angeliefert wurden, hatte die Stadt vor rd. 150 Jahren entlang einiger Kanäle mächtige, bis zu 7 Stockwerk hohe Backsteingebäude errichtet, die sog. Speicherstadt. Sie prägt die Stadt Hamburg auch heute noch entscheidend mit, und auch heute noch werden viele dieser Speicher genauso genutzt wie damals. In einem dieser Speicher ist mittlerweile die größte Modelleisenbahnanlage der Welt eingerichtet worden, das Miniatur-Wunderland. Das muss man unbedingt gesehen haben, das ist nicht nur etwas für die Kleinen. Ganze geografische Landschaften wurden nachgebaut und mit Modellbahnleben gefüllt: die Schweiz, Nordamerika, Schweden, natürlich die Stadt Hamburg…… Züge rauschen durch die Kulissen, Dultplätze blinken und leuchten, auf Brücken und Straßen sausen Autos mit Licht, zu einem brennenden Haus rast die Feuerwehr und…und …und. Einfach sehenswert!

Was wäre eine solche Tour ohne einen überzeugenden, ortskundigen Fremdenführer?
Als dieser am alten Elbtunnel zu uns in den Bus kletterte, ahnten wir noch nicht, was uns in den kommenden Stunden und Tagen bevorstand. Aris oder Ares mit Namen, von edler griechischer Abstammung, ein studierter Archäologe und Vogelkundler, überfiel uns mit seinem profunden Wissen und seiner lockeren Darbietungsweise derart, dass uns im wahrsten Sinne Hören und Sehen verging. Seine schnoddrige Beredtsamkeit, die unzähligen dreisten Sprüche, seine äußerst flinke Zunge, der nie versiegende Wortschwall über alles und jedes – das alles brachte uns die laute Stadt Hamburg näher, strapazierte immer wieder unsere Lachmuskeln, aber ermüdete gelegentlich auch. In besonderer Weise verstand er es, unsere Halswir-belsäulen in steter Alarmbereitschaft zu halten: „Sehen Sie hier links…“, „gucken Sie schnell rechts drüben…“, „ach ja, hier links das altehrwürdige Kramerhaus…“, „links..“, „rechts…“ – so verliefen viele unserer gemeinsamen Busfahrten. Klar, dass da Mitdenken und Mitschauen allmählich etwas auf der Strecke bleiben mussten. Und dennoch: Er verstand es als Meister der schnellen Zunge und mit breitem Wissen glänzend, uns die Sehenswürdigkeiten Hamburgs nachhaltig zu vermitteln. Außerdem überraschte er uns auch mit Kenntnissen über Weltenburg, den Frankenjura und Regensburg. Ja, er outete sich sogar als Liebhaber des „süßen Weißwurstsenfs der seligen Witwe Hendlmeier aus der Gesandtengasse“, wie er sich ausdrückte.

In bewährter alter Besetzung – es wurden sogar ehemals verdiente Ministranten reaktiviert -feierten wir unseren Vorabendgottesdienst im sog. „Kleinen Michel“, einer katholischen Kirche der Gemeinde St. Ansgar. Diese liegt genau gegenüber der berühmten protestantischen Hamburger Michaelis-Kirche, deren ungewöhnlich reichhaltiges, barockähnliches Innenleben wir auch bestaunen konnten.

Vor lauter dicht gedrängtem Programm blieb untertags leider kaum Zeit für einen Besuch auf dem Fischmarkt und/oder zum Verweilen bei Fischsemmel und Bierchen. Und unsere Gemeinschaft funktionierte wieder wie gewohnt, eine lustige, aufgeweckte, fröhliche und zu vielen Scherzen und lautem Gelächter bereite Busgesellschaft. Es fehlte nicht einmal die Möglichkeit, das erste WM-Spiel unserer Fußballer über Bus-TV zu verfolgen, wobei es manche Adlsteiner Störmeldungen zu bewältigen galt. An das Organisationsteam Evi und Anni sowie an Familie Bäuml ein großer Dank für die hervorragende Planung der Reise und für die stets reibungslose Abwicklung.

Verfasst von Peter Beckmann.

Fahrten der Frauengemeinschaft